Der Blog vom TRAININGSDECK

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Die Power kommt nicht mehr aus den Beinen

Georg radeltEin Sommertag auf der Elbchaussee in Hamburg – die Reifen meines Rennrades surren auf dem Asphalt, die Beine fühlen sich gut an, runder Tritt, ruhiger Atem, der Fahrtwind zischt um die Ohren. Dann, nach einem Ampelstopp in einen Anstieg beschleunigen und die ältere Dame auf ihrem Hollandrad da 50 Meter vor mir locker ein- und überholen.

So der Plan.
Der leider nicht aufging.
Das „locker“ wurde durch „aus dem Sattel gehen“ und verbissene Gesichtszüge ersetzt. Als ich dann mit brennenden Beinen und viel später als erwartet an der Lady vorbeifuhr, fiel mir noch auf, wie entspannt sie da auf ihrem Rad saß. Sie hat zwar nicht vor sich hingeträllert, aber sie hätte es gekonnt.

Okay, meine radfahrerische Topform liegt schon ein paar Tage hinter mir, aber das konnte doch so grad nicht passiert sein?!

Meine schwermütigen Gedanken bzgl. meines Trainingszustandes wurden an der nächsten Ampel zerschlagen, als sich die Dame neben mich schob … auf ihrem PEDELEC! Einem Fahrrad mit elektrischer Trittkraftverstärkung.
Und plötzlich sah ich sie überall. Neben den Pedelecs auch reine E-Bikes, bei denen die Leute nicht mal mehr selbst treten müssen. Menschen nehmen mit dem Drahtesel nun Anstiege in Angriff, die sie vorher nur vierrädrig und verbrennungsmotorisiert befahren hatten. Ich kämpfte mich mühsam an elektrisch angetriebene oder unterstützte Radler heran, die mich ohne ihre Kraft aus der Batterie nur als Staubwolke hätten wahrnehmen können.

Vielleicht wäre ich diesen Menschen aber auch gar nicht auf der Straße begegnet. Auf Strecken, die sie sich ohne diese technische Unterstützung nicht zugetraut hätten. Mit dieser Hilfe werden Ausfahrten attraktiver, Distanzen und Höhenmeter wirken nicht mehr so abschreckend, Ausfahrten werden generationenübergreifend häufiger unternommen, da Unterschiede in der Leistungsfähigkeit technisch ausgeglichen werden können, kurz: die Menschen kommen in Bewegung.

Eine gute Sache, auch wenn es mich in zeitweilige sportliche Sinnkrisen stürzt.
Und ich genieße einfach das pure Radfahren, die ehrliche Auseinandersetzung mit mir selbst, und vielleicht doch das ein oder andere Duell auf der Landstraße … den Rhythmus des Tritts, den Atem, das Surren der Reifen, das Funktionieren des Körpers, das befreiende Gefühl der Erschöpfung.

(Georg Kramer) (www.trainingsdeck.de)

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