Der Blog vom TRAININGSDECK

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„Clean Eating“ – Abwaschen reicht doch!

IMG_0169Alles fing mit einem Besuch bei meinen Eltern an. In einem Gespräch über  aktuelle Ansichten bzgl. gesunder Ernährung ließ ich beiläufig den Begriff „clean eating“ fallen.

„Clean eating? Sauberes Essen? Also abwaschen tun wir unser Essen schon ziemlich lange. Das kann nicht so neu sein.“
Ich habe mich mit Erklärungen wie Natürlichkeit, Verzicht auf Zusatzstoffe und den Verweis auf unsere Vorfahren ziemlich souverän aus der Affäre gezogen. Doch damit fing mein Problem erst an.

Wenn ich mich umschaue stelle ich fest, dass „clean eating“ nahezu inflationär genutzt wird. Die Paleo-Fraktion strebt danach genauso wie die Freunde biologisch erzeugter Nahrungsmittel, die Vegetarier und die  Veganer nehmen es genauso in Anspruch wie die Anhänger der low-carb-Idee.
Die Hintergründe für die ein oder andere Ernährungsweise sind vielfältig: die Verantwortung gegenüber der Natur und anderen Lebewesen, die eigene Gesundheit,  Leistungsfähigkeit und Ästhetik sowie Nachhaltigkeit in der Erzeugung der Lebensmittel.

Trainingsdeck-0461Das Ergebnis: auf den Tellern der „clean eater“ sieht es recht unterschiedlich aus. Nudeln und Brot aus dem Bioladen sind „sauber“ unter Gesichtspunkten des Ökolabels, haben aber auf dem Tisch einer sich paleokonform ernährenden Familie nichts zu suchen. Deren „clean“-Disput mit überzeugten Vegetariern oder gar Veganern endet erfahrungsgemäß im Eklat. Und so stolz der protein-konzentrierte Athlet auf möglichst geringe Kohlenhydrat-Anteile in seiner Ernährung ist, so verständnislos steht er wohl den Öko- oder Fleischlos-Essern gegenüber.
Und der nicht unbeträchtliche Anteil meiner Freunde, die den ersten Monat des Jahres auf jeglichen Alkohol verzichten und dann davon sprechen, „clean“ geblieben zu sein definieren das offensichtlich anders als ich.

Jeder strebt eine „cleane“ Ernährung an, nur eben jeder auf seine Weise mit seinen eigenen Maßstäben.

Um die Sache noch ein wenig komplexer zu machen erweitere ich diese Diskussion mal um den Begriff des „clean living“: geputzte Wohnung, persönliche ausgeglichene CO2-Bilanz, moralische Reinheit oder Müllvermeidung?
Auch hier hat wohl jede Form den Anspruch auf die saubere Lebensweise.

DAS eine und wahre „clean eating“ gibt es für mich nicht!

„Clean eating“ ist subjektiv – beeinflusst durch den eigenen Körper, persönliche Moralvorstellungen und beschränkt durch das eigene Wissen zum Thema Ernährung, Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
„Clean eating“ bedeutet für mich eine gewisse Stringenz in der eigenen Ernährungsweise.
Mit Überzeugung sein „clean eating“ zu leben, welches einen persönlich gesund, leistungsfähig und zufrieden macht.
Und nicht als Dogma für alle gelten kann.

(Georg Kramer) (www.trainingsdeck.de)