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Der Power-Song zum schlechten Laufstil

Georg läuftEs ist Sommer, Wetter und Medienlandschaft locken die Menschen wieder nach draußen. Und wieder ist das Joggen bzw. Laufen eine der sportiven Hauptbeschäftigungen. Und so stampft, schlurft und schnauft es wieder auf Deutschlands Laufstrecken – und immer mit dabei: die Kopfhörer! In jeder erdenklichen Form, dezent als InEar-Version oder als Accessoire aus dem DJ-Zubehörhandel.

Auffällig für mich: überdurchschnittlich viele Menschen mit unrundem, lauten und auffälligen Laufstil lassen sich beschallen. Sie ignorieren die Geräusche ihres Körpers, indem sie sich von Musik antreiben oder von Hörbüchern unterhalten lassen.

Der Mensch verfügt über fünf Sinne: Riechen, Hören, Schmecken, Fühlen und Sehen. Die olfaktorische, auditive, gustatorische, taktile und visuelle Wahrnehmung. Wenn ich über das Laufen nachdenke, drängen sich Riechen und Schmecken nicht unbedingt als überlebensnotwendig in den Vordergrund. In einigen Ecken ist es vielleicht sogar von Vorteil, einen nicht ganz so ausgeprägten Geruchssinn zu haben.

Ganz anders verhält sich das beim Sehen: niemand würde sich freiwillig der visuellen Wahrnehmung berauben, wenn er sich auf Deutschlands stark frequentierten Laufstrecken bewegt. Unvorstellbar erscheint es gar, sich des Fühlens zu entledigen – der Wind, der Untergrund, Steigungen, Unebenheiten, die rutschende Hose, der drückende Schuh oder das HighFive mit den Laufpartnern nach der Runde.
Doch wie kommen so viele Menschen auf die Idee, sich während des Laufens mit Musik, Hörbuch oder Sprachkurs der Umgebungs- oder Eigengeräusche zu berauben? Okay, Motivation, Zeiteffizienz und Ablenkung, alles nachvollziehbare Gründe, die ich als Personal Trainer meinen Klienten selbst auch schon empfohlen habe. Aber: nachdem sie sich einen guten Laufstil angeeignet haben, nicht bei jedem Lauf und gern auch erst nach ca. einem Drittel der Strecke, nachdem alles „rund“ läuft. Foto

Hören ist extrem wichtig für einen geschmeidigen, rhythmischen und gesunden Laufstil. Man hört die Festigkeit des Fußaufsetzens, das Stampfen, wenn die Lockerheit fehlt. Das Schlurfen, wenn es zum eher „bremsenden“ und damit gelenkbelastenden Laufstil wird. Den ungleichmäßigen Rhythmus bei unterschiedlichen Schrittlängen zwischen rechtem und linken Bein. Man hört den flatternden Atem, wenn Schritt- und Laufrhythmus noch keine Einheit ergeben.

Der Power-Song im Ohr gibt uns vielleicht die mentale Kraft zum Endspurt. Doch er beraubt uns der Möglichkeit, unsere Umwelt wahrzunehmen und bei uns selbst zu sein. Mit dem Körper in einen Dialog zu treten, Signale zu empfangen und lernen, sie zu verstehen. Sich der körperlichen Bewegung bewusst zu werden und zu genießen. Und Spaß dabei zu haben.

Wenn man Ablenkung braucht, um sich fürs Laufen motivieren zu können, gibt es vielleicht auch bessere Möglichkeiten der sportlichen Betätigung.

(Georg Kramer) (www.trainingsdeck.de)

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